Wer einen E-Bike-Akku mit 36 V kaufen will, sollte vor allem auf drei Dinge achten: dass Spannung, Stecker und Maximalstrom zum Controller deines Umbausatzes passen, dass Markenzellen und ein ordentliches Batteriemanagementsystem (BMS) verbaut sind und dass die Kapazität in Wattstunden (Wh) zu deiner Strecke passt. Für die meisten Pedelec-Umbauten mit 25 km/h reichen 400 bis 550 Wh völlig aus. Hier erfährst du, wie du Angebote richtig liest, welche Bauform zu deinem Rad passt und wie du einen Akku sicher lädst und lagerst.
Volt, Amperestunden, Wattstunden: Die drei Zahlen auf jedem Akku
Auf jedem Ersatzakku für einen Umbausatz stehen drei Kennwerte. Sie hängen direkt zusammen, und wer sie versteht, kann Angebote sofort vergleichen.
- Spannung (Volt, V): 36 V ist die Nennspannung. Ein 36-V-Lithium-Ionen-Akku besteht aus 10 in Reihe geschalteten Zellen (10S). Voll geladen liegt er bei 42,0 V (10 × 4,2 V), leer bei rund 30 V. Die Spannung muss zum Controller und Motor passen – ein 36-V-System braucht einen 36-V-Akku.
- Kapazität (Amperestunden, Ah): Sie gibt an, wie viel Ladung der Akku speichert, typisch sind 10 bis 17 Ah. Die Ah-Zahl allein sagt wenig, wenn man Akkus mit unterschiedlicher Spannung vergleicht.
- Energieinhalt (Wattstunden, Wh): Die entscheidende Größe für die Reichweite. Formel: Volt × Amperestunden = Wattstunden. Ein Akku mit 36 V und 13 Ah hat also 468 Wh.
Achte darauf, dass Händler die Wh mit der Nennspannung (36 V) berechnen und nicht mit der Ladeschlussspannung (42 V) – sonst wirkt der Akku auf dem Papier größer, als er ist. Vergleiche deshalb immer Wh und rechne zur Kontrolle selbst nach.
E-Bike Akku Wh und Reichweite: Faustregeln
Die Reichweite berechnest du grob so: Akku-Wh geteilt durch den Verbrauch in Wh pro Kilometer. Der Verbrauch hängt stark von Unterstützungsstufe, Gelände, Gewicht, Wind, Temperatur und Reifendruck ab. Der Ratgeber von pedali.de nennt als Richtwerte etwa 8 bis 12 Wh/km im Eco-Modus, 12 bis 18 Wh/km im Normal-/Tour-Modus und 18 bis 25 Wh/km im Sport-Modus. Diese Werte sind Richtwerte – Herstellerangaben zur Reichweite sind oft deutlich zu optimistisch.
| Akku (36 V) | Energie | Eco (ca. 10 Wh/km) | Normal (ca. 15 Wh/km) | Sportlich (ca. 20 Wh/km) |
|---|---|---|---|---|
| 10 Ah | 360 Wh | ca. 36 km | ca. 24 km | ca. 18 km |
| 13 Ah | 468 Wh | ca. 47 km | ca. 31 km | ca. 23 km |
| 14 Ah | 504 Wh | ca. 50 km | ca. 34 km | ca. 25 km |
| 17,5 Ah | 630 Wh | ca. 63 km | ca. 42 km | ca. 32 km |
Die Tabelle ist eine Rechenhilfe, kein Messergebnis. Bei Kälte um 0 °C, mit viel Gepäck oder im Bergland kann die Reichweite deutlich darunter liegen. Faustregel für die Auswahl: Plane mit etwa 30 Prozent Reserve gegenüber deiner längsten regelmäßigen Strecke, denn Akkus verlieren über die Jahre Kapazität. Mehr zum Thema Sparen findest du in unseren 10 Tipps für mehr Reichweite.
Gepäckträgerakku vs. Rahmenakku vs. Flaschenakku
Für Nachrüstsätze gibt es drei gängige Bauformen. Welche passt, hängt vor allem von deinem Rahmen und dem Gewichtsschwerpunkt ab.
| Bauform | Vorteile | Nachteile | Passt gut zu |
|---|---|---|---|
| Gepäckträgerakku 36 V* | Passt an fast jedes Rad mit stabilem Träger, oft große Kapazitäten, Rahmen bleibt frei | Hoher, hinterer Schwerpunkt, Träger muss Akku plus Gepäck tragen (zulässige Last prüfen) | Trekking- und Cityräder, Tiefeinsteiger |
| Rahmenakku 36 V (Unterrohr)* | Tiefer, zentraler Schwerpunkt, beste Fahrdynamik, meist abschließbar | Braucht Flaschenhalter-Gewinde und genug Platz im Rahmendreieck | Diamantrahmen, Mittelmotor-Umbauten |
| Flaschenakku 36 V* | Kompakt, unauffällig, wenig Gewicht | Meist kleinere Kapazität, belegt den Flaschenhalter | Rennräder, Gravelbikes, kleine Rahmen |
* Werbelink: Bei einem Kauf erhalten wir ggf. eine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht. Mehr
Miss vor dem Kauf nach: Rahmenakkus werden an den Gewinden des Flaschenhalters verschraubt. Prüfe den Abstand zwischen den Gewinden und den freien Raum bis zum Sattelrohr. Bei Gepäckträgerakkus gilt: Der Träger muss für die Last zugelassen sein. Eine Übersicht weiterer Modelle findest du auf unserer Seite E-Bike-Akkus. Welche Bauform zum Antrieb passt, erklären wir im Vergleich Mittelmotor vs. Heckmotor.
Zellen: Warum Markenzellen den Unterschied machen
Ein Akku ist nur so gut wie seine Zellen. Verbreitet sind Rundzellen der Formate 18650 und 21700. Seriöse Anbieter nennen Hersteller und Zelltyp konkret, zum Beispiel Zellen von Samsung, LG oder Panasonic. Ein Beispiel aus dem Fachhandel: Der kanadische Anbieter Grin (ebikes.ca) baut seinen 36-V-Unterrohrakku in der Konfiguration 10S5P mit Panasonic-Zellen auf.
Steht im Angebot nur „Grade A cells“ oder „hochwertige Lithium-Zellen“ ohne Hersteller, ist Vorsicht angebracht. No-Name-Zellen haben häufig weniger echte Kapazität, schwanken stärker untereinander und altern schneller. Ungleich alternde Zellen sind auch ein Sicherheitsthema, weil das BMS dann ständig ausgleichen muss.
Was die Bezeichnung 10S4P bedeutet
Das „S“ steht für Zellen in Reihe (bestimmt die Spannung), das „P“ für parallele Stränge (bestimmt Kapazität und Belastbarkeit). Ein 36-V-Akku ist immer 10S. Mehr parallele Zellen bedeuten mehr Wh und meist auch einen höheren dauerhaft möglichen Strom.
BMS: Das Batteriemanagement schützt Akku und Rad
Das BMS überwacht jede Zellgruppe und schaltet bei Überladung, Tiefentladung, Kurzschluss, Überstrom und meist auch bei Übertemperatur ab. Ohne BMS solltest du keinen Lithium-Akku betreiben. Für den Kauf wichtig:
- Dauerstrom des BMS: Er muss mindestens so hoch sein wie der Maximalstrom deines Controllers. Grin gibt für seinen 36-V-Akku zum Beispiel 25 A Dauerstrom an und empfiehlt ihn nur für Controller bis 25 A. Ist das BMS zu schwach, schaltet der Akku bei Belastung ab – im schlechtesten Fall am Berg.
- Balancing: Ein BMS mit Zellausgleich hält die Zellgruppen auf gleichem Niveau und verlängert die Lebensdauer.
- Angaben im Datenblatt: Seriöse Händler nennen Dauer- und Spitzenstrom. Fehlen diese Angaben, frag nach.
Stecker und Kompatibilität mit dem Controller
Ein Ersatzakku für einen Umbausatz muss elektrisch und mechanisch passen. Prüfe vor dem Kauf diese Punkte:
- Spannung: 36-V-Controller nur mit 36-V-Akku betreiben. Ein Akku mit höherer Spannung kann Controller und Display beschädigen und ist für einen legalen Pedelec-Umbau kein sinnvoller Weg.
- Entladestecker: Verbreitet sind XT60, XT90 und Anderson Powerpole. Passt der Stecker nicht, ist ein fachgerecht gelöteter Adapter möglich – aber nur, wenn du sicher löten kannst und die Polarität stimmt. Verpolung kann den Controller zerstören.
- Ladebuchse: Häufig sind runde DC-Hohlstecker oder dreipolige XLR-Buchsen. Das Ladegerät muss genau diesen Anschluss haben.
- Halterung: Rahmenakkus sitzen auf einer Grundplatte. Wechselst du später den Akku, brauchst du oft die passende Platte gleich mit.
- Ein/Aus-Schalter: Manche Akkus haben keinen eigenen Schalter. Dann muss das System über Controller oder Display abschaltbar sein.
Wenn du noch keinen Antrieb hast, plane Akku und Bausatz gemeinsam. Unser Bausatz-Vergleich zeigt, welche Sets mit welchem Akkusystem arbeiten.
Was kostet ein 36-V-Akku?
Die Preise schwanken stark nach Kapazität, Zellen, Gehäuse und Händler. Bei unserer Recherche lagen Gepäckträgerakkus mit rund 470 bis 510 Wh im deutschsprachigen Fachhandel bei ca. 375 bis 650 Euro (Stand: Oktober 2026, Preise schwanken). Deutlich günstigere Angebote ohne Zellangaben solltest du kritisch prüfen. Wie sich der Akku in die Gesamtkosten eines Umbaus einordnet, zeigt unser Beitrag Was kostet ein E-Bike-Umbau?.
Sicherheit: Laden, Lagern, Brandschutz
Richtig laden
- Nur ein passendes Ladegerät verwenden, also ein Ladegerät für 36-V-Akkus mit 42 V Ladeschlussspannung* und dem richtigen Stecker. Am besten das vom Akkuhersteller empfohlene Modell.
- Die Verbraucherzentrale rät, Akkus möglichst nicht über Nacht in Wohnräumen und nicht lange unbeaufsichtigt zu laden. Lade auf nicht brennbarem Untergrund, mit Abstand zu brennbaren Materialien und idealerweise in der Nähe eines Rauchmelders.
- Nicht bei großer Hitze, Frost oder Feuchtigkeit laden. Einen kalten Akku erst auf Raumtemperatur kommen lassen.
Richtig lagern
Für längere Pausen empfiehlt die Verbraucherzentrale einen Ladestand von 30 bis 60 Prozent und eine trockene Lagerung bei 10 bis 20 °C. Ein Akku sollte nie lange tiefentladen herumliegen. Wer zusätzlich vorsorgen will, lagert und lädt den Akku in einer Akku-Brandschutztasche* – sie ersetzt aber keine Vorsicht beim Laden.
Warnzeichen und Notfall
Ein aufgeblähtes Gehäuse, Dellen, tiefe Kratzer, ungewöhnliche Wärme oder deutlich nachlassende Leistung sind Warnzeichen. Nach einem Sturz sollte ein Fachhändler den Akku prüfen. Wird ein Akku heiß oder raucht, trenne ihn vom Ladegerät und bringe ihn – wenn gefahrlos möglich – ins Freie. Brennt er in der Wohnung: Raum verlassen, Tür schließen, Nachbarn warnen, Feuerwehr unter 112 rufen. Nicht selbst löschen.
Versand als Gefahrgut
Lithium-Ionen-Akkus sind Gefahrgut der Klasse 9 (UN 3480 bei Einzelversand). Über 100 Wh gelten laut ZVEI die vollen Gefahrgutvorschriften; zudem muss der Akkutyp nach UN 38.3 geprüft sein. Für dich heißt das: Ein E-Bike-Akku lässt sich privat praktisch nicht einfach per Paket verschicken – Hermes und GLS schließen Gefahrgut aus, große Akkus versenden meist nur Geschäftskunden mit Gefahrgutvertrag. Kaufe deshalb bei Händlern, die den Akku ordnungsgemäß versenden und die UN-38.3-Prüfung nachweisen können. Für Reklamationen frag vor dem Kauf, wie der Rückversand organisiert wird.
Finger weg von No-Name-Billigakkus
Sehr günstige Akkus von Marktplätzen sparen fast immer an Zellen, BMS, Gehäuseabdichtung oder Prüfungen. Typische Warnsignale: keine Zellherstellerangabe, kein BMS-Datenblatt, unrealistisch hohe Ah-Werte bei kleinem Gehäuse, keine Angaben zur UN-38.3-Prüfung, kein Impressum oder keine erreichbare Adresse in der EU. Ein Akku speichert viel Energie – hier zu sparen ist der falsche Ort. Auch das gehört zu den häufigsten Fehlern beim E-Bike-Selbstbau.
Kaufcheckliste für deinen 36-V-Akku
- 36 V Nennspannung (10S), passend zu Controller und Motor
- Wh-Angabe nachgerechnet (V × Ah) und ausreichend für deine Strecke plus Reserve
- Zellhersteller und Zelltyp konkret genannt
- BMS mit Dauerstrom mindestens auf Höhe des Controller-Maximalstroms, idealerweise mit Balancing
- Entladestecker und Ladebuchse passen oder lassen sich sauber adaptieren
- Bauform passt zum Rahmen (Maße, Gewinde, Gepäckträgerlast)
- Passendes Ladegerät (42 V) enthalten oder vom Hersteller benannt
- Nachweis der UN-38.3-Prüfung, CE-Kennzeichnung, Händler mit Sitz in der EU
- Gewährleistung und Rückversand bei Defekt geklärt
- Schloss bzw. Diebstahlsicherung vorhanden
Die komplette Umbau-Planung inklusive Akku findest du in unserer Umbau-Checkliste. Wenn du dir Auswahl und Einbau nicht allein zutraust, vermitteln wir dir über die kostenlose Umbau-Anfrage eine Werkstatt in deiner Nähe.
Fazit
Beim Kauf eines 36-V-Akkus zählen nicht der niedrigste Preis oder die höchste Ah-Zahl, sondern Passung und Qualität: richtige Spannung, passender Stecker, ein BMS, das den Controllerstrom verkraftet, und nachvollziehbare Markenzellen. Wähle die Kapazität nach deiner realen Strecke mit Reserve, die Bauform nach deinem Rahmen – und behandle den Akku beim Laden und Lagern mit der Sorgfalt, die ein Energiespeicher dieser Größe verdient.
Häufige Fragen
Wie viele Wh brauche ich für mein umgebautes Pedelec?
Rechne mit etwa 10 bis 15 Wh pro Kilometer bei normaler Fahrweise und plane rund 30 Prozent Reserve ein. Für tägliche Strecken bis etwa 25 Kilometer genügen meist 400 bis 500 Wh.
Kann ich einen 48-V-Akku an einem 36-V-Umbausatz verwenden?
Nein. Spannung von Akku und Controller müssen übereinstimmen. Eine höhere Spannung kann Controller und Display beschädigen und gefährdet zudem die Einhaltung der Pedelec-Grenzen.
Ist ein Gepäckträgerakku oder ein Rahmenakku besser?
Ein Rahmenakku sorgt für einen tieferen Schwerpunkt und bessere Fahreigenschaften, braucht aber Platz und Flaschenhalter-Gewinde im Rahmendreieck. Ein Gepäckträgerakku passt an fast jedes Rad mit stabilem Träger, verlagert das Gewicht aber nach hinten oben.
Woran erkenne ich einen guten Akku?
An konkret genannten Markenzellen, einem BMS mit angegebenem Dauerstrom, nachvollziehbaren Wh-Angaben, CE-Kennzeichnung, Nachweis der UN-38.3-Prüfung und einem Händler mit Sitz in der EU.
Wie lagere ich den Akku über den Winter?
Laut Verbraucherzentrale bei 30 bis 60 Prozent Ladestand, trocken und bei 10 bis 20 °C. Nicht in der kalten Garage lagern und nie lange tiefentladen liegen lassen.
Darf ich einen E-Bike-Akku privat per Paket verschicken?
In der Regel nicht ohne Weiteres. Lithium-Ionen-Akkus über 100 Wh sind voll reguliertes Gefahrgut der Klasse 9. Viele Paketdienste nehmen sie von Privatkunden nicht an. Kläre den Versand mit dem Händler oder einem Gefahrgutdienstleister.
Hol dir die kostenlose Checkliste oder lass dir eine passende Werkstatt vermitteln.
Checkliste (PDF)Kostenlose Umbau-Anfrage